Liebe Reisende. Willkommen. Willkommen bei HIER GEBLIEBEN, willkommen in der Weststadt.

Nachdem ihr, nachdem du nun also im Hotel angekommen bist, das Gepäck abgestellt und dich vielleicht nach der beschwerlichen Anreise frisch gemacht hast, und bevor du nun sicher schnell aufbrechen willst, möchte ich dich bitten, zuvor noch einen Moment lang in dir selbst einzuchecken.

Dazu bitte ich dich, dir einen guten Platz zu suchen und dich aufrecht und bequem hinzusetzen. Du kannst dich auch hinlegen – ganz wie du möchstest.

Sitzt du gemütlich?

Gut.

Nun schließe bitte deine Augen. Komm ein wenig zur Ruhe. Sammle dich.

Du kannst ruhig schon im ruhigen Tempo los- und weiteratmen, ganz gleich, in welche Richtung. Ich empfehle ein bisschen nach innen zu atmen, ein bisschen gen Himmel, atme einmal rechts, atme einmal links, atme einmal geradeaus. Lass deinen Atem ein wenig durch deinen Körper wandern... aber sooft du kannst, atme tief, tief in deinen Bauch hinein. In deinen abenteuerlustigen Bauch, den erwartungsfreudigen Magen, dein wunderbar angespanntes Sonnengeflecht. Erlaube mir, dich ein wenig zu begleiten, bei jedem zunächst nur inneren Schritt, den du in den nächsten Minuten gehen wirst.

Lassen wir also noch ein bisschen den Atem wandern, bevor wir es selbst tun. Dein Atem reist durch deine Adern und weist dir die Richtung durch die vielen Verzweigungen, Wege, Trampelpfade, Straßen und Abkürzungen und Rastplätze deines Nervensystems.

Lass es uns gemeinsam machen. Gehen. Stehen bleiben. Gehen. Stehen. Innehalten.

Breite einmal deine innere Picknick-Decke aus. Bleib gelassen. Einfach da, ganz gelassen, von dir selbst da gelassen, wo du dich gerade befindest.

Oder geh los. Bewege dich schlafwandlerisch wie immer auf dem grauen Asphalt deiner inneren Stadt.

Wie wunderbar das doch geht, das Gehen, allein im Kopf. Nur das Gehen. Schritt nach Schritt, Schritt für Schritt.

Ich muss zugeben, dass ich sehr neugierig bin. Wohin du wohl gerade gehst? Zu welchem Ort dich wohl deine inneren Schritte leiten?

Was wohl ist dein persönlicher Büffel, deine Elefantenkuh, deine Leopardin, was deine Löwin, dein persönliches Nashorn.

Was sind wohl deine "Big Five". Wenn du ans Reisen, eine Wanderung, einen Kurztrip oder einfach nur an Urlaub denkst; -

was zieht dich fort von zuhause, hinaus in die weite Welt, ins Naheliegende, in tiefe Ebenen, hohe Lagen.

Lockt dich vielleicht das komfortable Hotel, der Swimmingpool unter freiem Himmel? Möchtest du ins blaue Meer eintauchen, am Abend tanzen, tanzen, tanzen, bis dir der Schweiss den Rücken hinunterläuft, an einem Ort über 30 Grad?

Oder lockt dich stetiges Wandern über Aue und Tal, den Blick auf die schneebedeckten Berge, grüne Wiesen, Kuhglocken in der Ferne.

Ah, ok. Du siehst dich per Anhalter reisen, du bist jemand, der sich einfach mitnehmen lässt. Du bist am liebsten einfach nur unterwegs, dich zieht es ins Ungefähre. Abends vielleicht mit Unbekannten am Lagerfeuer sitzen, allerhöchstens..

Oh, schön, aber ja, ich sehe dich ganz deutlich, da bist du! Wie elegant du eine schier unendliche Schneepiste hinunter saust, wie du unbeschwert gleitest, wie in Trance!

Ach so, verstehe..! Du bist doch eher die, die als allererstes ein Museum sucht. Ich sehe dich in dieser unfassbar hohen Kirche stehen. Was für ein außergewöhnliches Gebäude. Diese Katakomben. Wie toll es sich anfühlt, mitten in der Geschichte zu stehen, in einem umwitterten Zeitsturm innehalten.

Moment. Woher kommt diese tiefe tiefer Sehnsucht nach Hitze, nach der zartgelben Wüste. Das Zirpen der Zikaden, die Sterne.. Das Wenigste genügt dir, da, am Ende der Welt, am Ende aller Bilder.

So, du kannst nun langsam deine Augen wieder öffnen. Ich denke, dass es schon unter deinen Fußsohlen kribbelt. Ganz so, als dürften sie zum allerersten Mal loslaufen, hab ich recht? Ja, na komm, streck dich ein wenig, räkel dich, spüre deine Glieder neu erwachen, ja, von mir aus, seufze auch ein wenig, mach das unbedingt..

An dieser Stelle verabschiede ich mich von dir. Vorher noch eine Bitte: überprüfe nun einmal den Inhalt deines Koffers. Du findest darin auch einen Rucksack. Mach dich mit seinem Inhalt vertraut. Er wird dein Begleiter sein in den nächsten Stunden.

Gehe dann, bleibe einfach und bleib einfach ein bisschen hier in der Gegend.

Ein Tipp: Bring dir was mit!

Tschüss.

HIER UND JETZT

 

Ich bin hier geblieben,

diesmal.

Bald sicher, bald verirrt

bald mutig, bald verwirrt

Sicher in Zukunft

immer öfter

 

Ich bin zurück geblieben

und vielen voraus

vielem voraus

 

Ich hab meine Komfortzone nicht verlassen

Ich brauche keinen Komfort

Komfort

Komm mit mir fort

An diesen, an jenen Ort

 

Ich darf und ich kann alles so lassen

Bin nicht verlassen

Hab niemanden verlassen

Ich gehe gelassen

einen Schritt nach dem anderen

einen Schritt nach der anderen

 

Belassen wir es damit

 

Lassen wir mal alles so, wie es ist

Lassen wir mal alles da, wo es ist

Den Dampfer im Hafen

Das Flugzeug im Hangar

Das Auto in der Garage

Die Geschichte in der Sage

Sage und schreibe

nicht

Wage was

und bleibe.

 

Ich verlasse mich auf meine fünf Sinne

Ich gehe nicht zurück und ich gehe nicht weg

Ich schaue hin und ich schaue weg

Ich bin mal hin und ich bin mal weg

Bin hin und weg

Und ganz wunderbar enttäuscht;-

Wirklich.

Ich

 

gehe den Weg

und hab hier zum Glück alles

und nichts

und nichts verloren

Doch manches, manches finde ich

 

Wie ich das finde?

Das spielt mal keine, mal eine große Rolle

Ich sage ja, ich sage nein

und lass doch alles am liebsten

lasse alles erstmal so sein

 

Da ich nicht suche

Bin ich befreit

Bereit zum Finden

 

Der Weg ist das Ziel

sagt man

Das Ziel ist nicht wichtig

Weg sein ist nicht wichtig

Da und dort gewesen sein ist nichtig

Das Dasein ist wichtig.

Da.

 

Nichts ist nur falsch

nichts ist nur richtig

Ich nehm nichts vorweg

Nehme alles wie es kommt

Nehme alles wenn es kommt

Und nehme alles so

wie es einfach ist

Bin einfach

BIN einfach

Einfach da, einfach dort

 

"Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fort, hab mich niemals deswegen beklagt"

 

Eben und steil

Gewunden und tief

Ohne Bogen, ohne Pfeil

Mit offenem Visier

Gerne weit weg

aber auch gerne

 

hier.

 

Your TripsterArtist Nicola Bongard